Autor*innenkollektiv Gras & Beton (Hg.): Gefährliche Orte – Unterwegs in Kreuzberg

ISBN 978-3-86241-463-5 | 2018 | 192 Seiten | Paperback | 16,00 € | www.assoziation-a.de

Kriminalitätsbelastete Orte, gefährliche Orte, Gefahrengebiete: stigmatisierte Räume spielen in Stadtentwicklung, Raumplanung und polizeilicher Praxis eine immer größere Rolle. An diesen Orten gelten mehr und mehr Sondergesetze, und die Polizei hat besondere Befugnisse, die tief in die verfassungsmäßigen Grundrechte eingreifen. Zugleich wird auf Stadtteilebene versucht, mit sozialtechnischen Instrumenten, den Auswirkungen des globalisierten Kapitalismus Herr zu werden. Die Rede von »hochgefährlichen Arealen«, in denen über Gewalt, Exzesse und Drogen geklagt wird, geht einher mit der Verlockung, als Tourist*in genau dort die authentische Metropolenerfahrung zu finden oder in einer schicken Wohnung ein paar wilde Jahre zu verbringen. Gleichzeitig wird der Prozess von Gentrifizierung und Verdrängung angeheizt – mit gravierenden Folgen für die Bewohner*innen.

An den Beispielen des Kottbusser Tors und des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg unterziehen Wissenschaftler*innen der kritischen Stadtforschung den Diskurs um »gefährliche Orte« einer kritischen Revision. Sie analysieren polizeiliche und sozialtechnische Maßnahmen, untersuchen sozialräumliche Entwicklungen und stellen die Frage, für wen das Recht auf Stadt in diesen Gebieten gilt. Zugleich beleuchtet das Buch die Mythen, Besonderheiten und die widerständige Geschichte Kreuzbergs. Es rekonstruiert einige der herausragendsten Kämpfe für das Recht hier zu sein und hier zu bleiben.

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Gefaehrliche_Orte_2018_Inhalt  

URO Lab Report #2: Governing the narcotic city: discourses on drug use, dealers and migration around Görlitzer Park in Kreuzberg-Berlin

Eine erste, intensivere und vor allem feldforschungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Görlitzer Park (und dem Kottbusser Tor) im Rahmen des Narcotic City Projektes“ fand vom 26. bis 28. Mai 2016 in Berlin, unter dem Titel: „URO Lab #2: Governing the narcotic city: discourses on drug use, dealers and migration around Görlitzer Park in Kreuzberg-Berlin“ statt.
Das UROLab – Urban Orders- ist ein internationaler Forschungsverbund (2014-2017) unter der Leitung des Anthropologen Morton Nielson von der Universität Aarhus. (http://uro.au.dk/uro-labs/….nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Zentrum zur Analyse von Nierensteinen)
Im Mittelpunkt des 2. UROLabs standen – exemplarisch und spezifisch zur gleichen Zeit – die umkämpften urbanen Ordnungen des Görlitzer Parks. Der Park liegt in dem seit langen Jahren diskursiv rege bearbeiteten Viertel Kreuzberg 36, das sich nunmehr zwischen Prozessen der gentrification, der touristischen Produktion von Orten (touristification) und der Neuzusammensetzung der Arbeits- und Wohnbevölkerung bewegt. Der Park wird weiterhin von eine Vielzahl von Gruppen genutzt, darunter Migrant*innen, Bohemiens, lokale Familien, Tourist*innenen und Drogenhändler. Seit mehreren Jahren ist der Park zudem der Schauplatz eines administrativen, punitiven und polizeilichen Krisenmanagements und damit tatsächlich zu einem Labor unterschiedlicher Ordnungs- und sozialer Hygienevorstellungen geworden. Diese werden auf den unterschiedlichen räumlichen Maßstabsebenen (scales) der stadt- landes- und bundespolitischen Akteure und Gesetze ausgehandelt: Ende 2014 wurde der Park zur städtichen “Gefahrenzone” erklärt, mit der Folge von noch mehr Patrouillen, Razzien und Verhaftungen. Dennoch, sowohl der Marihuana-Handel als auch die Proteste gegen racial profiling und rassistischer Kontrollen gehen weiter. Der Görlitzer Park ist damit derzeit Schauplatz eines der heißesten Konflikte Berlins und Symbol für den anhaltenden Kampf um den öffentlichen Raum und das “Recht auf die Stadt”.
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